Vorbemerkung: Da in der Oberliga immer hochkonzentriert ans Werk gegangen wird (und nicht lockere Züge und Rundumblicke auf die anderen Bretter wie vom Mannschaftsführer der Zweiten erfolgen) ist Achim Wöstmann für die Erstellung der Spielberichte auf die Veröffentlichung der Partien angewiesen. Verzögerte Berichte auf unserer Homepage sind also auf die Verspätung der Partiebulletins zurückzuführen und liegen nicht in unserer Macht (G. Müller):
In den vergangenen Jahren trafen wir in der Landesliga Nord immer wieder auf die Zweitvertretung des SK Nordhorn-Blanke. Beim Auswärtsspiel in der 5. Runde der Oberliga Nord West bekamen wir es dieses Mal mit der 1. Mannschaft zu tun.
Die kürzeste Partie des Tages wurde an Brett 1 produziert: Dirk konnte einen leichten Positionsvorteil nicht weiter ausbauen, und nachdem beide Seiten jeweils einen vereinzelten Bauern zu verteidigen hatten, kam es nach 22 Zügen zu einer gerechten Punkteteilung.
Edward, der bei der vor kurzem beendeten Landesmeisterschaft in der Meistergruppe einen hervorragenden 3. Platz erreichte, spielte einmal mehr solide am 3. Brett mit Weiß. Nach zahlreichen Abtauschen beging der Gegner in einer scheinbar sicheren Stellung einen taktischen Fehler, allerdings verzichtete Edward auf mögliche Gewinnversuche und forcierte das Remis durch Zugwiederholung.
Paul an Brett 2 erhielt durch gute Eröffnungsbehandlung eine sehr sichere Stellung, die nach mehrfachem Abtausch starke Remis-Tendenzen aufwies. Einen Angriffsversuch des Weißen glaubte Paul dann durch taktische Verwicklungen abwehren zu können; sein Gegner hatte aber weiter gerechnet, erzwang Materialgewinn und erzielte kurz darauf den ersten vollen Punkt für die Gastgeber.
Am 8. Brett kam erneut unser jüngster Ersatzspieler aus der Dritten zum Einsatz: Florian spielte die Eröffnung interessant und kenntnisreich. Es ergab sich eine komplizierte Stellung, in der er auf dem Damenflügel agierte, während Weiß auf dem Königsflügel angriff. Leider unterschätzte Florian die Möglichkeiten seiner energisch spielenden jungen Gegnerin, verlor nach Schwächung seiner Königsstellung eine Figur und musste schließlich als letzte Abwehr seine Dame gegen zwei Leichtfiguren geben. Dieses Kräfteverhältnis erwies sich allerdings als zu ungleich, so dass Florian kurz darauf aufgeben musste.
Maximilian geriet am 6. Brett mit Schwarz nach einem Eröffnungsfehler stark unter Druck. Sein Gegner versuchte durch verschiedene Manöver im Zentrum und am Damenflügel, den Vorteil zu vergrößern, aber Maximilian behielt die Nerven und verteidigte sich umsichtig, indem ihm mehrere vorteilhafte Abtausche gelangen. Schließlich kam es in einer ausgeglichenen Stellung zum verdienten Friedensschluss durch Zugwiederholung.
Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt 1,5:3,5 zurücklagen, machten wir uns berechtigte Hoffnungen auf mindestens einen Mannschaftspunkt, weil sich die letzten drei Partien sehr vorteilhaft entwickelt hatten.
Am 5. Brett konnte ich mehrere ungenaue Eröffnungszüge des Schwarzen ausnutzen, indem ich zwei gegnerische Leichtfiguren in eine passive Position abdrängte. Mein Gegner hielt die Stellung lange erfolgreich geschlossen, aber nach der erzwungenen Öffnung der e-Linie kam es zum gewünschten Tausch der Türme. Leider beging ich anschließend den Fehler, auch die Dame zu tauschen statt sie zentral zu postieren, was dem Schwarzen ein fast unlösbares Verteidigungsproblem gestellt hätte. Nach dem Damentausch stellte sich heraus, dass das vorteilhafte Leichtfiguren-Endspiel nicht zu gewinnen war, so dass ich nach etlichen Gewinnversuchen ins Remis einwilligen musste.
Am 7. Brett geriet Geert mit Weiß nach einer unglücklichen Eröffnungsidee in die Defensive, verteidigte sich aber anschließend sehr geschickt und brachte so die Stellung bald wieder ins Gleichgewicht. Er schaffte es danach, die Schwächen des Schwarzen wirkungsvoll anzugreifen, so dass seinem Gegner nichts Anderes übrigblieb, als eine Figur nach der anderen zu tauschen. In einem ausgeglichenen Schwerfiguren-Endspiel beging der Gegner dann allerdings einen taktischen Fehler, der zum Verlust seines e-Bauern führte. Die Stellung bot danach beste Gewinnaussichten für Geert, aber nach dem übereilten Damentausch konnte er das verbleibende Turmendspiel trotz eines Mehrbauern nicht mehr gewinnen.
Die vielleicht interessanteste Partie des Tages wurde am 4. Brett geboten: In geschlossener Stellung gab es zahlreiche Positionsmanöver, ohne dass eine Seite einen spürbaren Vorteil erzielen konnte. Nach dem 30. Zug eliminierte Lukas durch Damentausch letzte positionelle Drohungen des Weißen und übernahm die Initiative. Sein Figurenspiel am Damenflügel wurde immer druckvoller, so dass der Anziehende das Läuferpaar in schon schlechterer Stellung aufgeben musste. Durch cleveres Manövrieren seiner Leichtfiguren gewann Lukas schließlich einen Bauern, überspielte seinen Gegner danach vollständig und stand klar auf Gewinn. Die verzweifelten Versuche des Weißen, Verwicklungen herbeizuführen, wehrte Lukas durch saubere Technik ab. Als er in der Folge zwei weitere Bauern erobern konnte, sah alles nach einem überzeugenden Sieg aus. Dann tauschte Lukas jedoch unnötigerweise einen Läufer gegen den weißen Springer, was das verbleibende Endspiel mit ungleichen Läufern ganz wesentlich erschwerte. Da die Niederlage unserer Mannschaft inzwischen feststand, gab er schließlich seine Gewinnversuche auf – Remis.
Eine 3:5-Niederlage in einem Wettkampf, der bei besserer Verwertung günstiger Stellungen auch ganz anders hätte ausgehen können. Ärgerlich, denn es bleiben nur noch vier Mannschaftskämpfe, um den Klassenerhalt zu sichern.
Hans-Joachim Wöstmann
