Oberliga: Deutliche Niederlage der Ersten

Im letzten Heimspiel der Saison 2025/26 trafen wir in der Oberliga Nord West auf die Zweitvertretung des HSK Lister Turm. Obwohl die 1. Mannschaft der Hannoveraner bereits vor drei Wochen aus der 2. Bundesliga abgestiegen ist (und ihrer Zweiten damit das gleiche Schicksal in der Oberliga droht), zeigte sich schon an der Aufstellung, dass die Gäste trotz allem auf einen hohen Sieg aus waren.

Paul an Brett 2 eröffnete mit Weiß sehr zurückhaltend, so dass Schwarz zügig ausgleichen konnte und auf dem Damenflügel sofort zu deutlichem Raumgewinn kam. Paul versuchte durch Bauernvorstöße am Königsflügel zu kontern, was der Gegner aber zurückschlagen und die jetzt weit geöffnete weiße Königsstellung angreifen konnte. Dem hatte Paul keine wirksame Verteidigung mehr entgegen zu setzen, und er kapitulierte daher kurz darauf.

Dirk sah sich am Spitzenbrett schon in der Eröffnung mit einem äußerst aggressiv agierenden Gegner konfrontiert. Er wies mit Schwarz den überstürzt wirkenden Angriff zunächst gut ab, indem er eine Figur gegen drei Bauern hergab. Als er auch noch einen vierten Bauern einsammeln konnte, schien sich die Waage zu seinen Gunsten zu neigen, aber dann gelang es dem Weißen, den schwarzen Damenflügel abzugrasen. Dirk wollte sich ebenfalls am gegnerischen Damenflügel schadlos halten, geriet dadurch aber auf der schwach verteidigten anderen Seite in einen überraschenden Königsangriff und verlor.

Lukas an Brett 4 baute sich mit Weiß gegen die unkonventionelle Eröffnung des Gegners sehr solide auf, aber gerade als er zum Angriff übergehen wollte, unterlief ihm ein grober Fehler, der nicht nur einen Bauern verlor, sondern seine Stellung augenblicklich in eine Ruine verwandelte. Alle Versuche, noch ein Gegenspiel aufzuziehen, scheiterten an der energischen Verteidigung des Gegners, so dass Lukas aufgeben musste.

Nicht besser erging es mir an Brett 5 mit Schwarz: bereits in der Eröffnung gingen beide Spieler eigene Wege abseits der Theorie. Es ergab sich eine komplizierte Stellung, in der ich das Druckspiel des Weißen durch Entwicklungsvorsprung ausgleichen konnte. Ein fehlerhafter Figurenrückzug meinerseits sorgte dann aber für eine rasch zunehmende Überlegenheit der weißen Position, die ich bei mittlerweile knapper Bedenkzeit nicht mehr parieren konnte.

Nach drei Stunden lagen wir damit bereits 0:4 hinten; es zeichnete sich schon hier eine hohe Niederlage ab.

Nenad an Brett 8 hielt mit Weiß zunächst gut mit, versuchte dann aber, den drohenden schwarzen Königsangriff mit aktiver Verteidigung zu bekämpfen. Das erwies sich als zu optimistisch, da es dem Gegner gelang, nach und nach die weiße Königsstellung aufzurollen. Einen Mattangriff konnte Nenad noch durch Aufgabe eines Bauern abwehren, aber das entstehende Endspiel erwies sich auf die Dauer als unhaltbar.

Edward gestaltete mit Schwarz an Brett 3 das Spiel lange ausgeglichen. Er musste zwar einen Isolani verteidigen, hatte dafür aber ausreichendes Figurenspiel. Als er jedoch den Damentausch zuließ, verschlechterte sich seine Position zusehends, da die schwarze Position jetzt zu viele Bauernschwächen aufwies. Diese wurden von seinem routinierten Gegner optimal ausgenutzt, und nach Tausch einiger Figuren fand sich Edward in einem hoffnungslosen Turmendspiel wieder – Aufgabe.

Für den einzigen Lichtblick des Spieltages sorgte Maximilian: gegen seinen deutlich DWZ-stärkeren Gegner ging es an Brett 6 in der Eröffnung gleich zur Sache. Trotz Bauernverlust und geschwächter Königsstellung gelang es Maximilian, mit Weiß die bessere Stellung zu behaupten. Nach dem Damentausch waren dann allerdings die dynamischen Möglichkeiten beider Seiten sehr begrenzt. Der Schwarze versuchte noch stundenlang, seinen Mehrbauern zur Geltung zu bringen, was Maximilian durch starke Verteidigung zu verhindern wusste. Schließlich willigte der Gegner ins unvermeidliche Unentschieden ein.

Das zweite Remis hofften wir am letzten Brett einheimsen können. Dort hatte David lange und erfolgreich eine ausgeglichene Stellung halten können. Alle Versuche des Gegners, Davids isolierte a- und c-Bauern zu erobern, scheiterten an der zähen schwarzen Verteidigung, und als schließlich ein reines Schwerfigurenendspiel auf dem Brett stand, schien alle Gefahr gebannt. Aber auch hier spielte der Hannoveraner unbeirrt weiter auf Gewinn, und nachdem David seinerseits eine einfache Gewinnfortsetzung übersehen hatte, verlor er bei beiderseits knapper Zeit einen Bauern. Die entstehende, schwer zu verteidigende Stellung konnte David letztlich nicht mehr halten.

Fazit: Eine Niederlage, die leider auch in dieser Höhe verdient war. Hier zeigte sich deutlich der Spielstärkeunterschied zwischen einem Aufsteiger aus der Landesliga und einer Spitzenmannschaft der Oberliga.

Hans-Joachim Wöstmann