Am Sonntag war wieder Großkampftag für unsere höherklassigen Mannschaften: In der Oberliga versuchte die Erste im Derby gegen Hellern zu bestehen und in der Verbandsliga musste die Zweite als Tabellenführer zum Verfolger nach Lingen fahren. Zwei schwere Aufgaben, von denen leider nur eine, und die mit etwas (mehr) Glück, bewältigt wurde.
In unserer Oberligamannschaft fehlten der in dieser Saison noch gar nicht eingesetzte Max sowie Geert, dafür hatte Achim als Ersatz David und mich verpflichtet. Nicht ganz unerwartet hatte Hellern ihre Stammacht an die Bretter bekommen, um mit einem Sieg sämtliche Abstiegsgespenster zu vertreiben. Unspektakulär endeten dann die Partien von Maximilian (Brett 6) nach zwei und mir an Brett 8 nach drei Stunden mit Remisen. Mein Gegner hatte den richtigen Zeitpunkt für sein Friedensangebot gewählt, meine Stellung wirkte nur rein optisch vorteilhaft. Wenig später gerieten wir leider in Rückstand: Wie üblich hatte Paul (Brett 2) einen heftigen Königsangriff inszeniert, dabei auch eine Figur ins Geschäft gesteckt. Nach eigener Aussage zeigte sein Handy im Nachhinein die Korrektheit seines Opfers und einen Weg zum Vorteil, in der unbarmherzigen Realität des Lebens hatte Paul allerdings eine Ressource seines Gegners übersehen und musste aufgeben. Der Rückstand vergrößerte sich dann auf zwei Punkte an Brett 3: Unserem „Bald-FM“ Edward wurde von seinem „Schon-FM-Gegenüber“ deutlich gemacht, dass Erfahrung viel bedeutet und der positionelle Nachteil klug und überlegt ausgenutzt: 1:3.
Und das Schlimme war, dass keine der noch verbleibenden Partien Chancen auf mehr als ein Remis bot, die Niederlage zeichnete sich deutlich ab. An Brett 4 hatte Lukas ein materielles Ungleichgewicht geschaffen und auch einen zwischenzeitlichen Vorteil erreicht, in der Endstellung hatte er aber keine andere Wahl als das Remisangebot zu akzeptieren. Auch Achim an Brett 5 musste sich in das Remisschicksal ergeben, das Läuferendspiel bot keinerlei Vorteilschancen. Die erfahrenen Helleraner riskierten nichts mehr, unsere Niederlage war mit dem Remis an Brett 7 von David perfekt, auch er hatte mit einem Minusbauern im Turm-Läufer-Endspiel keine andere Wahl als in das Remis einzuschlagen. Am längsten spielte Dirk an Brett 1. Sein Gegner stand zunächst besser und lehnte das Friedensangebot ab, was er aber später bereute, denn Dirk hatte leichten Vorteil, der jedoch nicht zum Sieg ausreichte, nach 4,5 Stunden war auch hier das Remis unterschrieben.
Unter dem Strich steht also eine 3:5 Niederlage, die unsere Erste dem Abstieg näher bringt. Noch ist aber nicht alles verloren, zeigt doch der Saisonverlauf, dass wir spielerisch in der Oberliga mithalten können. Vielen Spielern fehlt die Routine und das immer nötige Quentchen Glück, um in entscheidenden Momenten den Bock umzustoßen. Nötig ist nun ein Auswärtssieg in drei Wochen beim Tabellenletzten in Braunschweig.
Unsere Verbandsligamannschaft musste wie oben aufgeführt auf David und den Mannschaftsführer verzichten, dafür kam nach längerer Spielpause erstmals Johannes zum Einsatz und Matthias verschob extra seinen Urlaubsbeginn um mehrere Stunden: danke dafür! Überrascht waren unsere Mannen, als vor Ort in Lingen die Gastgeber Brett 4 (Sven) und 5 (Maximilian) freilassen mussten, einer Reha und einer akuten Erkrankung geschuldet. Doch trotz dieser 2:0 Führung wurde es nach den mir beim abendlichen Niederlage-Sieg-Treffen geschilderten Ereignissen kein entspannter Nachmittag. Matthias an Brett 8 war am Morgen auch nur schwer aus dem Bett gekommen und war wohl noch nicht so richtig wach: nach einer ausgeglichenen Eröffung geriet er bald auf die schiefe Bahn und musste recht früh eine Niederlage quittieren. Nachdem Nenad (Brett 6) recht schnell remisiert hatte und Sergey in seiner gewohnt überlegten Art seinem Gegenüber die Nachteile von dessen Spielführung gezeigt hatte, wurde mir nach Beendigung meiner Partie der -oberflächlich beruhigende- Zwischenstand von 3,5:1,5 übermittelt.
„Leiden“ vor Ort musste Sven, der arbeitslos mitansehen musste, wie sich bei Johannes an Brett 7 die lange Spielpause in drei Bauernverlusten und einer ruinösen Stellung bemerkbar machte. Derweil hatte Torsten (Brett 3) in der Annahme, seine ausgeglichene Stellung auf Gewinn anlegen zu müssen, selbige überrissen und verloren. Boris an Brett 1 hatte zwar zwischenzeitlich eine vorteilhafte Stellung gehabt, aber in GM Gutman einen Gegner, der auch mit über 80 Jahren immer noch über eine beachtliche Spielstärke verfügt und zu überraschenden Zügen fähig ist. Boris meisterte aber die entstandenen Herausforderungen gut und erzielte ein wichtiges Remis zum 4:3 Zwischenstand.
Blieb noch die Partie von Johannes. Als er mir später beim Siegergetränk die Stellung zeigte, konnte ich nicht glauben, dass er die Partie noch gewonnen hatte. Drei Minusbauern incl. vier Bauerninseln im Endspiel bei einer soliden gegnerischen Stellung ließen den live beobachtenden Sven und mir im Nachhinein jede Phantasie fehlen, überhaupt noch eigene Pläne zur Gegenwehr zu finden. Aber Johannes schaffte es! Irgendwie baute er (Schein?)Drohungen auf, der Gegner sah Gespenster (wer kennt das in guten Stellungen und knapper werdenden Zeit nicht?) und plötzlich hatte er einen freien h-Bauern, der vom Schwarzen nicht mehr eingefangen werden konnte. Mit diesem glücklichen Partiegewinn konnten unsere Mannen mit unserem Standardergebnis von 5:3 den Heimweg antreten und die Tabellenführung verteidigen. In drei Wochen kommt dann die zweite Mannschaft aus Oldenburg zum Duell der Oberligareserven in den Barenturm. Mal sehen, wohin uns die diesjährige Reise führt…
Gerhard Müller
