Nach dem Gewinn der Jugendliga Niedersachsen im vergangenen Jahr und dem damit verbundenen Aufstieg in die Jugendbundesliga Nord stand für unsere Mannschaft am Sonntag das große Debüt an. Und gleich zum Auftakt wartete mit Rochade Braunschweig ein äußerst stark besetzter Gegner.
Die Ausgangslage war klar: An allen sechs Brettern war der Gegner nach DWZ höher eingestuft. Auf der Gegenseite standen unter anderem Spieler mit 2190, 2048 und 2042 DWZ. Wir gingen damit als klarer Außenseiter in den Mannschaftskampf.
Doch genau das machte diesen Auftakt so besonders: Unsere Jungs ließen sich davon überhaupt nicht beeindrucken und kämpften Brett für Brett um ihre Chancen.
Auch die Ausgangslage unserer Mannschaft war besonders. Für alle Spieler war es das Debüt in der Jugendbundesliga, ebenso für die Mannschaftsführung. Im vergangenen Jahr hatten noch FM Edward Bundan an Brett 1, Maximilian Jürgenpott an Brett 2, Florian Salim an Brett 3 und Marieke Schmidt für unsere Mannschaft gespielt und gemeinsam den Aufstieg in die Jugendbundesliga geschafft.
Inzwischen haben sich die Wege jedoch getrennt: Edward und Marieke wechselten zu Werder Bremen, Maximilian Jürgenpott verließ nach dem Ende seiner Jugendzeit unsere Mannschaft und spielt inzwischen für SV Bad Essen, während Florian Salim zum Delmenhorster SK wechselte.
Besonders schön war deshalb die Unterstützung von Edward. Trotz seines Vereinswechsels ist die Verbindung zu seinen ehemaligen Teamkollegen geblieben. Eigentlich hätte Edward an diesem Sonntag selbst für Werder Bremen in Magdeburg spielen sollen. Die Begegnung wurde jedoch verlegt. Für Edward war sofort klar: Er wollte unbedingt in Braunschweig dabei sein und seine ehemalige Mannschaft und seine Freunde bei ihrem ersten Jugendbundesliga-Spiel unterstützen.
Dafür stand er am Sonntagmorgen sogar bereits um 5 Uhr auf und machte sich auf den Weg mit mir nach Braunschweig. Eine solche Unterstützung ist nicht selbstverständlich und zeigt, dass die gemeinsame Zeit und der gemeinsame Aufstieg in die Jugendbundesliga die Jungs auch über die Vereinsgrenzen hinaus verbunden haben.
Schön zu sehen, dass aus einer gemeinsamen Mannschaft Freundschaften entstehen, die auch nach einem Vereinswechsel bestehen bleiben. ❤️♟️
Auch organisatorisch war dieser Spieltag eine echte Herausforderung. Markus Czubek (der Vater von Luca) übernahm die Abholung der Jugendlichen aus Osnabrück und fuhr anschließend direkt nach Braunschweig. Dadurch ermöglichte er den Spielern, mindestens eine Stunde länger zu schlafen und deutlich entspannter in den frühen Spieltag zu starten.
Gleichzeitig ging es für die beiden Neuzugänge Amadeus Schäfer und Georg Filbert direkt aus Hannover nach Braunschweig. Die Abholung der beiden übernahm ich selbst und fuhr von zu Hause aus direkt nach Hannover, bevor es gemeinsam weiter zum Mannschaftskampf ging.
Gerade bei einem Spielbeginn um 9:00 Uhr machte diese Aufteilung einen großen Unterschied. Ohne die Unterstützung von Markus hätte der Tag für mich bereits gegen 3:30 Uhr begonnen, zunächst mit der Fahrt nach Osnabrück und anschließend weiter nach Hannover und Braunschweig. So konnte auch ich rund eineinhalb Stunden länger schlafen und deutlich ausgeschlafener in den langen Jugendbundesliga-Tag starten.
Ein großer Dank geht deshalb an Markus Czubek für seinen Einsatz – solche organisatorischen Beiträge sind mindestens genauso wichtig wie das, was später am Schachbrett passiert. 💪♟️
Dass die Duelle zwischen Rochade Braunschweig und dem SV Osnabrück immer etwas Besonderes sind, zeigte sich auch diesmal: Schon in den vergangenen Jahren waren diese Begegnungen häufig spannend, umkämpft und schachlich sehenswert.
Und diesmal sollte es nicht anders werden.
Jonas Bangert (2190) – Jason Schwab (1805) 1:0
Den Anfang machte Jason Schwab an Brett 1 – und damit gleich gegen einen echten Brocken.
Sein Gegner Jonas Bangert ist der amtierende Deutsche Amateurmeister der Gruppe B und hatte mit 2190 DWZ einen erheblichen Vorsprung gegenüber Jason.
Die Partie begann mit:
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4
und führte in eine Nimzo-Indische Verteidigung.
Jason spielte mutig und suchte von Beginn an nach aktivem Gegenspiel. Gegen einen derart starken Gegner wäre es leicht gewesen, sich nur zurückzuziehen. Genau das tat Jason aber nicht. Er entwickelte seine Figuren aktiv und versuchte, die Stellung möglichst kompliziert zu halten.
Bangert konnte seine größere Erfahrung schließlich nutzen und die Partie gewinnen.
Trotzdem war es für Jason ein wertvoller erster Auftritt auf diesem Niveau. Gleich beim Debüt an Brett 1 gegen einen Deutschen Amateurmeister anzutreten, ist eine Herausforderung, vor der man Respekt haben darf.
Jason hat sie angenommen.
Zwischenstand: 0:1
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Julius Freimuth (2042) – Vykintas Janulis (1800) 1:0
An Brett 3 wartete auf Vykintas Janulis ebenfalls ein außergewöhnlich starker Gegner: Julius Freimuth, der amtierende U16-Landesmeister.
Die Partie begann mit einer Sizilianischen Verteidigung:
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4
Eine offene und dynamische Eröffnung, in der beide Seiten schnell zu aktivem Spiel kamen.
Vykintas versteckte sich auch hier nicht. Er entwickelte seine Figuren energisch und suchte nach Möglichkeiten, selbst die Initiative zu übernehmen.
Freimuth konnte seine größere Erfahrung jedoch nach und nach ausspielen und die Partie für sich entscheiden.
Aber auch hier gilt: Der Gegner war deutlich höher eingestuft – Vykintas kämpfte trotzdem bis zum Ende.
Zwischenstand: 0:2
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Erik Heithecker (2048) – Luca Czubek (1751) 0:1
⭐ Das Highlight des Tages!
Und dann kam der Moment, über den man nach dem Spiel noch lange gesprochen hat und noch lange gesprochen wird.
Luca Czubek spielte gegen Erik Heithecker mit 2048 DWZ – fast 300 DWZ-Punkte mehr als Luca.
Die Partie begann mit einer Königsindischen Verteidigung:
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6
Luca spielte von Beginn an mutig und aktiv. Er ließ sich von der DWZ-Differenz nicht beeindrucken und suchte selbst nach Initiative.
Im Mittelspiel entwickelte sich eine äußerst spannende Partie. Luca stellte seinen Gegner immer wieder vor schwierige Entscheidungen und spielte zunehmend selbstbewusster.
Und dann kam der große Moment:
Luca opferte seine Dame!
Doch dieses Damenopfer war kein Risiko um des Risikos willen. Es war Teil einer konkreten Kombination, die den Angriff entscheidend verstärkte und schließlich zum Matt führte.
Was für eine Partie!
Ganz ehrlich: Das war der Wow-Moment des Tages und für uns ganz klar das Highlight des Spieltags.
Besonders schön ist dabei die Entwicklung, die Luca in den vergangenen Monaten gemacht hat. Durch das Training mit IM Christian Richter ist deutlich zu erkennen, wie Luca an Selbstvertrauen, taktischem Verständnis und Spielstärke gewonnen hat.
Und genau solche Partien zeigen, was möglich ist, wenn Training, Mut und Talent zusammenkommen.
Zwischenstand: 1:2
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Hagen Petz (1900) – Georg Filbert (1606) 1:0
Für unseren Neuzugang Georg Filbert vom SZ Bemerode war es das erste Spiel im Trikot des SV Osnabrück in der Jugendbundesliga.
Und auch Georg bekam gleich die volle Stärke des Braunschweiger Kaders zu spüren.
Sein Gegner Hagen Petz hatte erst vor Kurzem bei der Norddeutschen Meisterschaft U14 für Braunschweig am ersten Brett gespielt und dort gegen die stärksten Spieler des Turniers starke Leistungen gezeigt.
Jetzt saß dieser Spieler nur an Brett 6. Man sieht auch, wie stark der Kader der Braunschweiger besetzt ist.
Die Partie begann eher positionell und entwickelte sich nach 1.d4 d5 zu einer interessanten Stellung, in der beide Seiten um die Initiative kämpften.
Georg versuchte, aktiv zu bleiben und seinem Gegner möglichst wenig Raum für einen ruhigen Positionsaufbau zu geben. Petz konnte jedoch nach und nach Druck aufbauen und seine größere Erfahrung letztlich zum Sieg nutzen.
Für Georg war es eine schwere Aufgabe, aber gleichzeitig eine wichtige erste Erfahrung auf diesem Niveau.
Zwischenstand: 1:3
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Kyllian Tanukusuma Gotthold (1925) – Alex Arndt (1681) ½:½
Auf Brett 5 kämpfte Alex Arndt gegen einen weiteren sehr starken Braunschweiger: Kyllian Gotthold Tanukusuma, den amtierenden U12-Landesmeister.
Die Partie begann mit:
1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.c4 e6
und entwickelte sich zu einem anspruchsvollen positionellen Kampf.
Alex spielte konzentriert und hielt die Stellung lange sehr gut zusammen. Er ließ sich vom großen DWZ-Unterschied nicht beeindrucken und kämpfte um jede Möglichkeit.
In der Schlussphase wurde seine Stellung allerdings etwas passiver. Der Gegner konnte Druck aufbauen und die Initiative übernehmen.
Umso höher ist das Ergebnis einzuschätzen:
Alex erkämpfte sich noch das Remis.
Natürlich war Alex zunächst enttäuscht. Die Mannschaft lag bereits uneinholbar zurück, und er hätte sich natürlich lieber einen Sieg gewünscht.
Aber rein sportlich betrachtet war dieses Remis ein großer Erfolg.
Aus einer passiveren Stellung heraus gegen einen amtierenden U12-Landesmeister noch einen halben Punkt mitzunehmen, zeigt großen Kampfgeist.
Zwischenstand: 1½:3½
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Tobias Klebsch (1991) – Amadeus Schäfer (1861) 0:1
Den Schlusspunkt setzte schließlich unser zweiter Neuzugang Amadeus Schäfer.
Und damit kommen wir zu einer ganz besonderen Bilanz:
Drei Spiele für Osnabrück – drei Siege.
Zwei Siege hatte Amadeus zuvor in der Kreisliga gefeiert. Nun folgte sein Debüt in der Jugendbundesliga – und auch hier blieb er ohne Punktverlust. Besonders bemerkenswert, dass Amadeus in der Kreisliga Osnabrück an Brett 1 und in der Jugendbundesliga an Brett 2 seine Siege gefeiert hat. Also, an den oberen Brettern.
Mr. 100 Prozent! 💯
Amadeus spielte an Brett 2 gegen Tobias Klebsch (1991 DWZ) und zeigte bereits in der Eröffnung, dass er sich vor seinem deutlich stärker eingestuften Gegner nicht verstecken wollte.
Die Partie begann mit der Caro-Kann-Verteidigung:
1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sf6
Im Mittelspiel übernahm Amadeus zunehmend die Initiative. Seine Figuren wurden aktiver, er setzte seinen Gegner unter Druck und bestimmte über weite Strecken selbst das Geschehen auf dem Brett.
Besonders stark war, dass Amadeus nicht nur auf Fehler wartete, sondern die Partie aktiv gestaltete. Im weiteren Verlauf entstand sogar ein gefährlicher Freibauer, der ihm zusätzliche Gewinnchancen gab.
Zum Ende wurde es noch einmal hektisch und die Partie entwickelte sich zu einem kleinen Zeitnot-Krimi.
Schließlich fiel die Zeit des Gegners.
0:1 – Sieg für Amadeus!
Natürlich war der Zeitüberschritt der unmittelbare Grund für die Entscheidung. Aber genauso wichtig ist, was davor auf dem Brett passiert war: Amadeus hatte über weite Strecken die Initiative, kontrollierte das Mittelspiel und erspielte sich eine Stellung, in der er selbst auf Gewinn spielte.
Damit bleibt seine Bilanz makellos:
3 Spiele – 3 Siege – 100 Prozent.
Mr. 100 Prozent!
Mit seinen drei Siegen aus drei Partien konnte er seine persönliche DWZ deutlich verbessern und erstmals die 1900er-DWZ-Marke durchbrechen. Eine starke Leistung und ein wichtiger Meilenstein für seine weitere Entwicklung.
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♟️ Ein Auftakt, der uns Mut macht
Natürlich hätten wir uns zum Debüt in der Jugendbundesliga Nord gerne einen Mannschaftspunkt oder sogar mehr gewünscht.
Aber wenn man sich die Ausgangslage anschaut, darf diese Mannschaft sehr stolz auf ihren ersten Auftritt sein.
Sechs Bretter – sechs Außenseiter nach DWZ – und trotzdem 2½ Brettpunkte.
Zwei Siege. Ein Remis.
Ein spektakuläres Damenopfer von Luca.
Ein stark erkämpftes Remis von Alex.
Ein perfekter Start von Amadeus mit 3/3.
Und vor allem: sechs Spieler, die sich gegen deutlich stärker eingestufte Gegner nicht versteckt haben.
Die Begegnungen zwischen Rochade Braunschweig und dem SV Osnabrück waren schon in der Vergangenheit oft spannend und sehenswert. Auch dieses Mal wurde diese Tradition fortgesetzt.
Für uns ist diese Saison ein komplettes Debütjahr. Wir wissen, dass die Aufgaben schwer werden. Wir wissen, dass die Gegner stark sind.
Aber wir wissen jetzt auch etwas anderes:
Wir können mithalten.
Wir können starke Gegner unter Druck setzen.
Wir können gegen höher eingestufte Spieler gewinnen.
Und wir können in dieser Liga unsere Punkte holen.
Vielleicht war dieses 2½:3½ auf dem Papier eine Niederlage.
Für uns war es aber vor allem ein Versprechen für die kommende Saison.
Wir sind angekommen.
Wir haben gesehen, dass wir hierhergehören.
Und wir haben allen Grund, mit viel Selbstvertrauen in die nächsten Runden zu gehen.
Jugendbundesliga, wir sind angekommen!!!

Jason am Brett 1 (links) und Amadeus am Brett 2 (rechts)

Vykintas am Brett 3 (links) und Luca am Brett 4 (rechts)

Alex am Brett 5 (links) und Georg am Brett 6 (rechts)
