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Großgebrodel
im Erlenmeyerkolben
Bräuchten
wir ein Mannschaftswappen für unsere Fünfte, so wäre es
der Erlenmeyerkolben, dieses bauchige Gefäß aus dem Chemielabor:
Immer dann, wenn er zum Einsatz kommt, brodelt, blubbert und siedet es.
So auch am siebten Spieltag.
Auswärtsspiel
in Fürstenau! Bis zur Frage "Wen werde ich als Gegner haben
und was spielt er so?" kommt man da gar nicht. Frage Nr. 1 lautet:
"Wer hat ein Auto?" Und Frage Nr. 2 dräut vielleicht auch
schon: "Muss es vor dem Auswärtsspiel zum TÜV oder kann
ich es bis zum Spiel behalten?"
Gleich
eine ganze Handvoll Spieler fiel aus, jeweils mit bis zu zwei Gründen
gleichzeitig: Krankheit, Betriebsversammlung, Umzug, TÜV. Glücklicherweise
können wir in unserem Verein aus dem Vollen schöpfen, und so
kam es, dass Lukas Schiermeyer, unser jüngster aktiver Spieler, bis
ganz hinauf ans Spitzenbrett geschöpft wurde. Und um es gleich vorneweg
zu sagen, endeten sein Einsatz wie auch alle anderen Begebenheiten an
diesem Nachmittag (verschlafene Termine, zur Unzeit klingelnde Handys,
koch- und küchenlose Gasthäuser) schlussendlich mit einem Happy
End. Allerdings erst am Ende eines langen Nachmittages.
Unsere
Aufstellung sollte die folgende werden:
Brett
1: Lukas Schiermeyer
Brett 2: Erwin Negt
Brett 3: Amir Samani (gleichzeitig Fahrer)
Brett 4: Reinhold Schapka (gleichzeitig Fahrer)
Brett 5: Günther Bensmann
Brett 6: Ralf aka Raphael Florian
Ok, 15
Uhr. Die halbe Mannschaft trifft sich schon mal leutselig vorm Erdbeerblau.
Hinzu gesellen sich Jürgen Mager und Christoph Neumann als Zuschauer.
Um kurz nach 15 Uhr dämmert es uns, dass Raphael und Reinhold vielleicht
einen wichtigen Samstagstermin vergessen haben könnten. Immerhin
kann Raphael telefonisch geweckt werden, Reinholds Handy klingelt hingegen
vorerst ungehört irgendwo in Osnabrück. Reinhold als zweiter
Autofahrer ist aber bitter vonnöten. Der Erlenmeyerkolben wird erhitzt,
der Blutdruck steigt. Um 15 Uhr 20 wird an einer neuen Aufstellung gefeilt:
Alle nach Reinhold rücken ein Brett nach vorne, Amir wird einziger
Autofahrer, und Zuschauer können nicht mitfahren. 15 Uhr 22 ist die
neue Aufstellung aufgeschrieben, da meldet sich zum Glück Reinhold
per Handy, von seiner Wohnzimmercouch aufspringend und Richtung Auto hastend.
15 Uhr
26: Wir fahren los, die Erdbeerblauen sind unterwegs!
Nach
einer rasanten Fahrt sind wir tatsächlich rechtzeitig um 16 Uhr in
Fürstenau.
Unsere
Gastgeber sind in Bestbesetzung angetreten. Grippeviren, Umzüge und
den TÜV scheint man in Fürstenau nicht zu kennen.
Die Partien
beginnen recht munter, und zur Freude der OSV-Zuschauer kommen wir allesamt
recht ordentlich aus der Eröffnung heraus.
Nachdem
Raphaels Handy die Nervenstärke aller Regelkundigen geprüft
hat, wird es für die mitgereisten Zuschauer Zeit für dringend
benötigte Nervennahrung. Überhaupt wollten sie schon immer mal
die Fürstenauer Gastronomie erkunden. Aber denkste! An Wochenenden
kann man in Fürstenau in den sogenannten Gasthäusern nur mit
Voranmeldung etwas zu Essen bekommen!
Während
Jürgen und Christoph hungrig durch Fürstenau streifen, verpassen
sie wichtige Partieabschnitte:
Lukas knapst an einem Minusbauern herum, und verliert dann auch noch wegen
einer Doppeldrohung eine Figur. Aber seine beiden Türme auf der 7.
Reihe setzen dem Gegner arg zu. Erwin Negt gerät in einem anfangs
ausgeglichenen Mittelspiel immer mehr in die Verteidigung. Amir, mit etlichen
ausgefallenen Tanzschritten seiner Dame, verwirrt den Gegner so sehr,
dass dieser gleich zwei Springer einstellt. Mehr hatte er auch nicht.
Reinhold hatte früh eine Figur verloren und kann leider keine Kompensation
dafür bekommen. Günther gibt einen Bauern her, erhält aber
dafür die Gelegenheit, seine Figuren aktiv aufzustellen. Seine Gegnerin
gerät unter Druck. Raphael preschte gleich zu Anfang der Partie in
Richtung gegnerischer Rochadestellung vor. Aber seine Gegnerin kann alle
Drohungen parieren und behält einen großen Vorteil.
Lukas
am Spitzenbrett sorgt für eine Spitzenkombination und liefert mit
einem schönen Zweizüger Stoff für das Jugendtraining am
nächsten Dienstag:
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Lukas mit Weiß
am Zug. |
Nach knapp dreieinhalb
Stunden steht es 2 zu 3: Neben Lukas hat auch Amir gewonnen; Erwin Negt,
Reinhold und Raphael mussten leider ihre Partien aufgeben. Günthers
Partie bringt die Entscheidung im Mannschaftskampf: Sein ständiges
Druckspiel a la Erlenmeyerkolben, für die Zuschauer eine sehenswerte
Sache, fordert seinen Tribut, und seine Gegnerin übersieht ein Turmopfer
mit nachfolgendem Matt.
Endstand 3:3 ! Die
Chancen auf einen anvisierten Nachrückerplatz Richtung 1. Kreisklasse
bleiben gewahrt.
Christoph
Neumann
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