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Schach ist sexy !

Schach ist sexy: Beim letzten deutschen Schachkongress war ja schon von Dingen wie dem nächtlichen Brettgeflüster und dem Begriff des "nackten Königs" die Rede. Die österreichische Gästedelegation wusste sogar mit sigmundischer Freude von läufigen Schachfiguren zu berichten. Wo soll das noch enden? - Ganz klar, in einer eigenen Casting-Show speziell für Schachpartien! "Germany's Next Top Game!", abgekürzt GNTG. Und das samstags zur besten Sendezeit.

Letztens fand die mittlerweile 7. Staffel der Casting-Show statt.

Zu Anfang der Sendung gab es ein Interview mit Monsieur Pirc, einem der Macher der Casting-Show:

"Viele Eigenschaften sind vonnöten, um bei unserem Casting zu bestehen. Eine gut gestylte Partieanlage reicht da allein nicht aus, denn das Casting ist hart. Professionelles Auftreten von Schwer- und Leichtfiguren ist sehr gefragt, das sicheres Ausführen der Rochade sogar unabdingbar. Auch gilt es, die passende Spielmode äh den passenden Spielmodus für Angriff und Verteidigung zu finden. Und trotz aller Linienöffnungen darf man sich keine Blöße geben. Auch das Partienumfeld ist wichtig, von A bis Z, also von Brett- bis Tischmanieren. Ein schwieriges Unterfangen also, das den Lauf über den Laufsteg zu eine Art Drahtseilakt werden lässt."

Was dem guten Monsieur Pirc die Haare grau werden ließ: Unsere Zweite war dabei! Acht Schachpartien schickten die OSV-Spieler ins Rennen, und hier ist im Stenogrammstil ihre Geschichte:

Kandidat Nr. 1: Die Partie von Christoph Neumann: Er kleidet seine Partie in ein eigens kreiertes Schnittmuster aus Tarrasch- und Orthodoxem Damengambit ein, später verpasst er dem gegnerischen Isolani eine Maniküre mit der Grobfeile. Sein Gegner lässt sich austricksen, hätte er doch bei seinem Auftritt auf dem Catwalk zwar einen Bauern, aber nicht das Gleichgewicht verloren. So aber OSV: Full point.

Kandidat Nr. 2: Die Partie von Maik Teichler: Seine Figuren tragen für den Geschmack von Monsieur Pirc und seiner Jury eine zu graue Einerlei-Mode zur Schau, es fehlt die persönliche Note. Die Jury entscheidet gegen den OSV. Schade, aber muss man hinnehmen.

Kandidat Nr. 3: Die Partie von Jörg Hinken: Führt eine schöne Partieanlage vor. Sein Gegner zeigt für eine Casting-Soap im Vorabendprogramm zu viel Haut und unverhüllte Felder. Jörgs Schwerfiguren sammeln Pluspunkte auf der 6. Laufstegreihe. Jörgs Partie bekommt dann auch folgerichtig in der Zeitnotphase die volle Punktzahl zugesprochen.

Kandidat Nr. 4: Die Partie von Gabriel Schedensack: Sie trägt ein musterhaft buntes Mittelspiel, danach ein interessantes Endspiel vor, also eigentlich alles, was ein Juryherz begehrt. Allerdings zeigt die Partie kurz vor Schluss einige Aus- und Auffälligkeiten und wird, noch bevor sie das natürliche Ende des Laufsteges erreicht hat, von der Wettkampf-Jury aus dem Rennen genommen. O-Ton von Jury-Mitglied Madame Caissa: Der Name unserer Casting-Show lautet "Germany's Next Top Game" und nicht "Germany's Next Eidelmann".

Eine Werbeeinblendung unterbrach die Diskussion um das Jury-Urteil:

Der Partienkandidat Nr. 5 von Tilman List: Sein Gegner baut ein sicheres Bauernbollwerk auf, zu dieser Jahreszeit ist eben noch wetterfeste Mode angesagt. "Viele Teilnehmer unserer Casting-Show wagen im Vorfeld oder zwischendrin einen operativen taktischen Eingriff," weiß Madame Caissa zu berichten. Und so handhabt es auch Tilman: Qualitätsgewinn, Figurengewinn, Partiegewinn. OSV: Full point. Der fast schon sprichwörtlich gewordene Tilman-Stil besticht durch sicheres Auftreten, Pfiffigkeit und Effizienz.

Kandidat Nr. 6 von Dr. Eberhard Heymann: Seine Spielsteine kommen im Eiltempo und hochhackig wie Tante Gundi daher. Aber sie lassen ihn beim Treppab vom Mittel- zum Endspiel im Stich und verstolpern sich; und er scheidet aus.

Unsere restlichen Kandidaten traten nach einer kurzen Werbeunterbrechung auf, einem Spendenaufruf zugunsten der Läuferopfer auf H7.

Der Partienkandidat Nr. 7 von Nikolai Bäumler: Geht mit einem Bauernhandicap ins Endspiel, die Figuren seines Gegners lassen aber immer mehr ihre schwungvollen Drehungen vermissen, und Nikolais Freibauer zieht mit seinem gewinnendem Lächeln alle Aufmerksamkeiten der Jury auf sich. Der Konkurrenz die Show stiebitzt, OSV: Full point

Der Partienkandidat Nr. 8 von Markus Peter: Anfangs sicheres Auftreten seiner Partie, sie kippt aber dann vom Laufsteg, und zwar durch gewisse gegnerische Figuren, die den Laufsteg in eine Piste verwandeln und wie Schnindbad der Schneefahrer seine Figuren im Schusstempo umfahren.

Das Casting endete 4:4. Die Antwort auf die Frage "Sind wir weiter?" bleibt den nächsten beiden Staffeln und Madame Caissas Jury vorbehalten.

 

Christoph Neumann

 

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